Flow

Flow (engl. fliessen, rinnen, strömen) bedeutet das Gefühl des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit.

Mihaly Csikszentmihalyi hatte die Flow-Theorie im Hinblick auf Risikosportarten entwickelt. Heute wird sie auch für rein geistige Aktivitäten in Anspruch genommen. Flow kann entstehen bei der Steuerung eines komplexen, schnell ablaufenden Geschehens, im Bereich zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile). Der Flow-Zugang und das Flow-Erleben sind individuell. Dennoch gibt es allgemeine Beobachtungen und Prinzipien, die immer gelten.

Der Zustand, der beim Flow erreicht wird, entspricht der kardialen Kohärenz, einer optimalen Synchronisation von Herzschlag, Atmung und Blutdruck. In diesem Zustand besteht völlige Harmonie zwischen dem limbischen System, das die Emotionen steuert, und dem kortikalen System/Neocortex, dem der Sitz für Bewusstsein und Verstand zugeordnet wird.
Der Flowzustand entspricht einem Zustand optimaler Anpassung/Resonanz der inneren Anteile und der Umwelt und lässt sich quantitativ erfassen und beschreiben über die Messung der Herzratenvariabilität (HRV). Die Messung der HRV bietet eine messbare, biologische Bezugsgrösse für Stresstoleranz und Funktionstüchtigkeit.

 

Diagramm zum Flow zwischen Über- und Unterforderung

Psychologische Definition


–     Wir sind der Aktivität gewachsen.
–    Wir sind fähig, uns auf unser Tun zu konzentrieren.
–    Die Aktivität hat deutliche Ziele.
–    Die Aktivität hat unmittelbare Rückmeldung.
–    Wir haben das Gefühl von Kontrolle über unsere Aktivität.
–    Unsere Sorgen um uns selbst verschwinden.
–    Unser Gefühl für Zeitabläufe ist verändert.
–    Die Tätigkeit hat ihre Zielsetzung bei sich selbst (sie ist autotelisch)
–    Nicht alle Bestandteile müssen gemeinsam vorhanden sein.

Flow ist etwas anderes als «fun» oder «kick» - also nicht nur eine kurzzeitige, aufgeputschte Erregung, es scheint mehr zu sein, vielleicht in diesem Sinne auch wertvoller. Flow kann als Zustand beschrieben werden, in dem Aufmerksamkeit, Motivation und die Umgebung in einer Art produktiven Harmonie zusammentreffen.

«praktische» Ergänzung

Das Bemalen des Modellbootes geht wie von selbst.

Einige Ergänzungen kommen teilweise aus der Gedächtnispsychologie, Sozialpsychologie, Motivationspsychologie und stellen letztendlich eine Art Informationsverarbeitungsansatz dar.
Die Passung von Anforderung, Fähigkeit und Zielklarheit kann zu einem "Aufgehen" in der Tätigkeit bzw. zu einer Veränderung der Zeitwahrnehmung oder dem Verschwinden von Sorgen führen. Die Tätigkeit, die man gerade ausführt, geht wie von selbst. Hier handelt es sich nicht um einen Dauerzustand, sondern um einen temporären Zustand, den vermutlich jeder Mensch entweder in seiner Kindheit beim Spielen, in der Freizeit oder in der Arbeit (das ist der Zusammenhang, in dem es anscheinend, empirisch überprüft, am häufigsten vorkommt) schon einmal erlebt hat.

Weshalb vergessen Menschen im Flow die Zeit? Weshalb denken wir nicht an unsere Sorgen? Eine mögliche Erklärung kommt aus der Gedächtnispsychologie. Das Mehrspeichermodell unterteilt das Gedächtnis in ein Ultrakurzzeit- (sensorischer Speicher), ein Kurzzeit- und ein Langzeitgedächtnis.
Der Ansatz von Alan Baddeley spricht nun nicht mehr von Kurzzeitgedächtnis, sondern von einem «Arbeitsgedächtnis». In seinem Ansatz geht es darum, dass das Arbeitsgedächtnis in der Verarbeitungsmenge, also Kapazität pro Zeiteinheit, beschränkt ist. D.h. das Bewusstsein, die Aufmerksamkeit kann zu einem Zeitpunkt nur 7 ± 2 Einheiten verarbeiten. Durch die selektive Wahrnehmung fokussieren Menschen ihr Bewusstsein auf bestimmte Aspekte in ihrer Umwelt bzw. in den Wissensstrukturen; dies wird Aufmerksamkeit genannt.

Eine Person, die nun weiss, "was" und "wie" sie etwas zu tun hat (Ziel- und Handlungsklarheit) und deren Fähigkeiten den Anforderungen der Tätigkeit gerecht werden, kann sich ganz auf das Ausführen der Tätigkeit einlassen, also in der Tätigkeit aufgehen. Die volle Aufmerksamkeit kommt dem Lösen der Aufgabe zugute. Die Person ist nicht mehr abgelenkt durch sozialpsychologisch relevante Gedanken wie "was denken die anderen über mich", "wie komme ich an, wenn ich A oder B mache", sondern hat die Chance, sich positiv rein auf die Aufgabenbewältigung zu konzentrieren, ein Tun zu entfalten, in dem eine hohe Übereinstimmung äusserer Anforderungen und innerer Wünsche und Ziele besteht.

Mit jedem einzelnen der menschlichen Sinne lässt sich Flow erleben, oftmals nach langjährigem Training, den Sinn auf Höchstleistung zu schärfen. Voraussetzung zum (manchmal überraschenden, plötzlichen) Eintreten in den Flowzustand ist zuvor die Bereitschaft, auf die oftmals anzutreffende, grundsätzlich skeptische Distanz zum Erlebten verzichten zu wollen, sich also einem möglichen Erleben, ganz zu öffnen:

Angefangen beim Fühlen (Streicheln, Prickeln auf der Haut, guter Sex), beim Hören (eine äusserst packende, die volle Konzentration einfordernde, enorm gute Musik), beim Riechen und Schmecken (eine exzellente Küche zu geniessen in einer Wohlfühl-Umgebung, oder Wein der Höchstklasse), und beim Sehen (Seh-Erlebnisse von herausragender Schönheit, seien es Berge, die Wüste, das Meer, eine intensiv betrachtete Blume, oder ein aussergewöhnlich beeindruckendes Gebäude, wie die Pyramiden oder das Taj Mahal).

Entscheidend ist die Kombination von voriger Aktivität (Anstrengungen, was unternommen und aufgewendet wurde, um nun Flow erleben zu dürfen) und von Passivität (sich dann überraschen zu lassen von Flow). Solche grossen Erlebnisse der Sinne oder auch gerade ihres Rückzugs wie in der Meditation sind nicht zu erzwingen; man kann sie nur vorbereiten und die Rahmenbedingungen schaffen, nicht aber den Eintritt von Flow verlässlich vorhersagen. Lautes Reden, unleidige Teilnehmer, Ablenkungen über andere Sinneseindrücke, wie über Gerüche oder Lautstärke, und viele andere Störungen können Flow verhindern.

Flow ist in solchen Zusammenhängen keine analoge Steigerung des guten Erlebens, sondern eine Art digitaler, plötzlicher Antwort des Körpers: im Flow ist man in der Hochbeanspruchung des Tuns und Erlebens vollkommen hingerissen. Sie sind meist von kurzer Dauer von Augenblicken bis zu wenigen Minuten.

Flow tritt häufig bei der Ausführung von Sportarten auf, in denen man "aufgeht" und diese beherrscht, zum Beispiel Klettern, Skifahren, Segeln oder auch sogenannte Funsportarten. Dem Tanzen kommt eine besondere Bedeutung als Flow-Aktivität zu, da "Tanzen vermutlich die älteste und bedeutsamste ist, sowohl aufgrund seiner weltweiten Anziehungskraft als auch wegen seiner potenziellen Komplexität" (Mihaly Csikszentmihalyi: Flow - Das Geheimnis des Glücks). Auch beim Musizieren, Malen, oder der Freude am Spielen, kann ein Mensch einen intensiven Flow erleben.