Burnout

Burnout ist in der Arbeitswelt grösstenteils immer noch ein Tabuthema. Das Krankheitsbild des Burnout-Syndroms hat sich in den letzten Jahren rasant verbreitet und nimmt in erschreckenden Masse exponentiell weiter zu. Gemäss der letzten Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO  aus dem Jahr 2001 wird folgendes klar:
Die grosse Gruppe der Erwerbstätigen, die angeben, mit ihrem Stress gut umgehen zu können und deshalb keine Gesundheitsprobleme zu haben (70% der Befragten), verursachen beinahe drei Viertel der gesamten Kosten (2’340 Fr. pro Kopf, 72% der Gesamtkosten).
Im Vergleich dazu liegen die Kosten der Gruppe der Nichtgestressten (18% der Befragten) bei 640 Fr./pro Kopf oder 5% der Gesamtsumme.  Die finanziellen Kosten von Stress betrugen damals schon für die erwerbstätige Bevölkerung ca. 4,2 Milliarden Franken (a. Medizinische Kosten: 1,4 Milliarden Franken, b. Selbstmedikation gegen Stress: 348 Millionen Franken, c. Kosten im Zusammenhang mit Fehlzeiten und Produktionsausfall: 2,4 Milliarden Franken)

Was ist Burnout ?


Das Burnout-Syndrom ist bis heute ein schwer abgrenzbares und somit unscharf definiertes Phänomen. Speziell in der Frühphase der Erforschung des Burnout-Syndrom wurden zahlreiche Definitionen vorgeschlagen.

Einige Beispiele:
«Burn-out ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand ’normaler’ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht»
(Schaufeli & Enzmann, 1998)

«Emotionale Erschöpfung bezieht sich auf Gefühle, durch seinen Kontakt mit anderen Menschen emotional überanstrengt und ausgelaugt zu sein. Depersonalisierung bezieht sich auf eine gefühllose und abgestumpfte Reaktion auf diese Leute, die gewöhnlich die Empfänger seiner Dienste oder Fürsorge sind. Reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit bezieht sich auf eine Abnahme seines Gefühls an Kompetenz und erfolgreicher Ausführung in seiner Arbeit mit Menschen»
(Quelle: Maslach & Jackson (1984) S. 134 in Enzmann und Kleiber (1989) S. 32).

Freudenberger betrachtet Burnout als einen Zustand der Erschöpfung und Frustration, verursacht durch unrealistische Erwartungen. Er definiert Burnout als
«…ein Energieverschleiss, eine Erschöpfung aufgrund von Überforderungen, die von innen oder von aussen – durch Familie, Arbeit, Freunde, Liebhaber, Wertesysteme oder die Gesellschaft- kommen kann und einer Person Energie, Bewältigungsmechanismen und innere Kraft raubt. Burnout ist ein Gefühlszustand, der begleitet ist von übermässigem Stress, und der schliesslich persönliche Motivationen, Einstellungen und Verhalten beeinträchtigt»
(Quelle: Freudenberger, 1994, S. 27).

Symptome

    
Bei einem Burn-out- Syndrom hat man es häufig mit folgenden Symptomen zu tun:
–    Psychische Symptome:
Psychische Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Gefühlslabilität, Aggressivität, Ängste, Nervosität
–    Somatische Symptome:
Körperliche Erschöpfung, Müdigkeit, Schlafstörungen, Anspannung, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Hypertonie, Tachykardie
–    Kognitive Symptome:
Konzentrationsstörungen, Entscheidungsunfähigkeit, Selbstzweifel, Verlust jeglicher Motivation, Enttäuschung, Resignation, Langeweile, Gefühl einer totalen inneren Leere
–    Verhaltenstypische Symptome:
Hyper- oder Hypoaktivität, Impulsivität, Zögern, Hinausschieben, vermehrter Konsum suchtfördernder Substanzen, hohes Risikoverhalten, sozialer Rückzug, Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten.

7 Phasen Burnout-Verlauf


Im Folgenden wollen wir Ihnen in Anlehnung an Burisch (1989, S. 11-16) die verschiedenen  Phasen des Burnoutprozesses skizzieren. Es handelt sich dabei um eine Zusammenfassung mehr oder weniger aller in der Literatur  genannter Symptome, geordnet nach sieben Kategorien. Wir beschränken uns hier auf eine kurze Wiedergabe. Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese Phasen und Symptome nicht strikt voneinander abgrenzbar sind, nicht alle in jedem Fall auftreten und auch nicht zwingend in dieser Reihenfolge auftreten müssen.

Phase 1: Warnsymptome der Anfangsphase
Vermehrtes Engagement für Ziele: Gefühl der Unentbehrlichkeit, Gefühl, nie Zeit zu haben, Verleugnung eigener Bedürfnisse, Hyperaktivität,  gleichzeitig Gefühle von Erschöpfung: Müdigkeit, Energiemangel, Unausgeschlafenheit.

Phase 2: Reduziertes Engagement / Rückzug

Allgemein: Unfähigkeit oder Widerwille zu geben, Verlust des Einfühlungsvermögens, Zynismus gegenüber Klienten, Patienten, Mitarbeitern, Kunden usw.: Verlust positiver Einstellungen gegenüber den Menschen, denen meist der grösste Teil der eigenen Arbeit gewidmet ist, Distanz bzw. Meiden von Kontakten, Gefühl der Ernüchterung;
–    während der Arbeit: negative Einstellung zur Arbeit allgemein, Widerwillen, Überdruss, Arbeitspausen werden überzogen, Fehlzeiten, Verlagerung des Schwergewichts auf die Freizeit ("Aufblühen am Wochenende");
–    erhöhte Ansprüche: Verlust von Idealismus, Konzentration auf eigene Ansprüche, Gefühl mangelnder Anerkennung, private Probleme nehmen zu (z. B. Probleme mit den Kindern oder dem Partner).

Phase 3: Emotionale Reaktionen /Schuldzuweisung

–     Depression: Selbstmitleid. Humorlosigkeit, unbestimmte Angst, abrupte Stimmungsschwankungen, verringerte emotionale Belastbarkeit, Gefühl der Abstumpfung bzw. von innerer Leere, Apathie, Schuldgefühle;
–    Aggression: Schuldzuweisung bzw. Vorwürfe an andere, Reizbarkeit, häufige Konflikte mit anderen, Ärger, Intoleranz, Launenhaftigkeit, Negativismus.

Phase 4: Abbau
–    Geistige Leistungsfähigkeit: Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Ungenauigkeit, Desorganisation;
–    Motivation: verringerte Initiative, Dienst nach Vorschrift;
–    Kreativität: verringerte Fantasie, Flexibilität;
–    Wahrnehmung: undifferenziert, Schwarz- Weiss-Denken.

Phase 5:Verflachung
–    Emotionales Leben: Gleichgültigkeit;
–    Soziales Leben: Beschäftigung mit sich selbst, Gespräche über die eigene Arbeit werden vermieden, Privatkontakte werden vermieden, Einsamkeit;
–    Geistiges Leben: Desinteresse, Langeweile, Hobbys werden aufgegeben.

Phase 6: Psychosomatische Reaktionen
–    Schlafstörungen, Herzklopfen, Engegefühl in der Brust, Muskelverspannungen,
Schwächung des Immunsystems, Rücken- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen, veränderte Essgewohnheiten, mehr Alkohol, Kaffee, Tabak, Drogen, Sexualprobleme usw.

Phase 7: Verzweiflung

–    Negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit, Existentielle Verzweiflung, Selbstmordgedanken.

Wie lange dieser Burnoutprozess dauert, lässt sich nicht konkret Beantworten. Der Verlauf ist sehr individuell und hängt ausserdem davon ab, welche Ursachen im Vordergrund steht. Als Faustregel lässt sich sagen, dass Burnout bereits nach wenigen Monaten beginnen kann und spätestens nach drei Jahren offensichtlich wird. Dies zeigt sich in Unternehmen häufig an den Fluktuationsraten.

Quelle: «Ausgepowert? Von Axel Koch und Stephan Kühn S.16/17 2000 © Gabal Verlag GmbH, Offenbach


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